Zinssenkungen im Fokus: EZB vor entscheidendem Schritt
In der Finanzwelt verfestigen sich die Erwartungen auf weitere Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) kurz vor deren anstehendem Zinsentscheid. Der Rückgang der Energiepreise sowie ein gestärkter Euro befürworten nach Angaben von Piero Cipollone, Mitglied des Direktoriums der EZB, eine weitere geldpolitische Lockerung. Cipollone äußerte in einem Interview mit dem spanischen Medium "Expansion", dass die derzeitigen Entwicklungen hoffen ließen, das Inflationsziel eher zu erreichen als in den letzten Prognosen angenommen.
Allerdings zeigen sich in Deutschland und aus Kreisen der Bundesbank Bedenken gegenüber einer Fortführung der Serie von Zinssenkungen. In Bezug auf mögliche zusätzliche Zölle seitens der USA sieht Cipollone zusätzliche Herausforderungen für den Preisverlauf in Europa. Sollten solche Handelsbarrieren errichtet werden, könnte dies die Nachfrage dämpfen und den Inflationsdruck weiter abbauen, während chinesische Exporte umgelenkt werden und den europäischen Markt überschwemmen könnten.
Auch Griechenlands oberster Währungshüter, Yannis Stournaras, hat jüngst die Notwendigkeit weiterer Zinssenkungen betont. Im Gegensatz dazu regte Isabel Schnabel aus dem EZB-Direktorium eine Debatte über ein Ende der Zinssenkungen an, was von Bundesbank-Präsident Joachim Nagel eher unterstützt wird.
Christine Lagarde, die Präsidentin der EZB, sieht im möglichen Handelskonflikt mit den USA ein erhebliches Risiko für das ökonomische Wachstum der Eurozone. Jüngst wies sie darauf hin, dass ein US-Zollsatz von 25 Prozent auf europäische Exporte das Bruttoinlandsprodukt 2025 um 0,3 Prozent verringern könnte. Gegenschritte der EU könnten den Dämpfungseffekt auf 0,5 Prozent anheben, warnte Lagarde.