Umbau am Wahlrecht: Ein Land zwischen Wunsch nach Stabilität und Reformbedarf
Die Veränderung des Bundestagswahlrechts sorgt in Deutschland weiterhin für Diskussionen, wobei eine jüngste YouGov-Umfrage ein überwiegendes Interesse an Stabilität widerspiegelt. Demnach möchte knapp die Hälfte der Bürger das bestehende System beibehalten. Offensichtlich lehnen 47 Prozent der Befragten einen erneuten Eingriff in die Wahlrechtsarchitektur ab, während lediglich 34 Prozent eine weitere Reform befürworten. 18 Prozent der Umfrageteilnehmer stehen dem Thema neutral gegenüber.
Das Wahlrecht war zuletzt 2023 durch die Ampel-Koalition, bestehend aus SPD, Grünen und FDP, modifiziert worden. Diese Reform beschränkt die Anzahl der Bundestagsmandate auf 630 Sitze, eine signifikante Reduzierung im Vergleich zur Wahl 2021, bei der 735 Abgeordnete ins Parlament kamen. Erreicht wurde dies durch die Abschaffung von Überhang- und Ausgleichsmandaten, was dazu führte, dass einige Wahlkreissieger ohne Zweitstimmenbasis auf ein Mandat verzichten mussten. Zur Bundestagswahl im Februar führte dies zum Ausschluss von 23 siegreichen Kandidaten.
Interessanterweise zeigen sich jedoch auch innerhalb der CDU/CSU, die vehement gegen die jüngste Reform waren und eine Neubetrachtung im Koalitionsvertrag mit der SPD favorisieren, Wählerstimmen, die für Kontinuität plädieren: 50 Prozent ihrer Anhängerschaft wünschen keine Änderungen. Dies steht in Kontrast zur stärkeren Reformbereitschaft unter den Wählern der AfD (48 Prozent) und BSW (53 Prozent).
In der Wählerschaft von SPD und Grünen ist der Wunsch nach Beibehaltung mit 65 und 68 Prozent am höchsten.