Langjährige Haftstrafen für ukrainische Kriegsgefangene in Russland
In einem richtungsweisenden Gerichtsprozess verurteilte die russische Justiz 23 Männer und Frauen zu langjährigen Haftstrafen. Die Verurteilten wurden beschuldigt, Mitglieder des Bataillons Asow der ukrainischen Nationalgarde zu sein. Das Gericht in Rostow am Don sprach sie wegen versuchten Umsturzes und der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung schuldig, wie die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass berichtete.
Das Bataillon Asow leistete während der Eroberung der strategisch wichtigen Hafenstadt Mariupol im Jahr 2022 erbitterten Widerstand gegen die russischen Truppen. Einst wegen Verbindungen zu Rechtsextremen umstritten, wurde die Freiwilligeneinheit im Laufe der Zeit in die offizielle ukrainische Nationalgarde integriert. Russland betrachtet Asow dennoch als terroristische Organisation.
Von den Verurteilten waren lediglich zwölf Angeklagte im Gerichtssaal anwesend und wurden zu Haftstrafen zwischen 13 und 23 Jahren verurteilt. Die übrigen elf Angeklagten, darunter neun Frauen, wurden in Abwesenheit verurteilt, da sie bereits ausgetauscht wurden und in die Ukraine zurückkehren konnten. Ein Angeklagter verstarb vor Urteilsverkündung in Haft.
Diejenigen, die freigelassen wurden, berichteten, in Gefangenschaft seit 2022 mit Folter konfrontiert und zu Geständnissen gezwungen worden zu sein. Das russische Bürgerrechtsportal 'Mediazona' berichtete unter Berufung auf Prozessbeobachter, dass nur ein Teil der Verurteilten tatsächlich als Soldaten gedient haben soll. Viele von ihnen hatten andere Rollen innerhalb der Organisation, wie Fahrer oder Köche.
Manchen wurde die Flucht aus dem besetzten Mariupol zum Verhängnis, während andere durch Nachbarn denunziert wurden. In der Ukraine setzt sich Präsident Wolodymyr Selenskyj für die Freilassung aller Asow-Gefangenen ein. Weitere Prozesse drohen ukrainischen Soldaten, die in russische Kriegsgefangenschaft geraten sind, darunter jene im russischen Gebiet Kursk, die ebenfalls wegen Terrorismus angeklagt werden könnten.